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Götter, Schleweit & Partner Steuerberater

Existenzgründung durch Ärzte und Zahnärzte

1.Vorbemerkung

Für den angehenden freiberuflichen Arzt oder Zahnarzt[1] sind das Steuerrecht und die Gewinnermittlungsvorschriften komplexe Regelungen, mit denen sich der angestellte Mediziner bislang nicht beschäftigen musste. Sie sind aber für die Frage entscheidend, wie viel vom erzielten Gewinn nach Einkommensteuer verbleibt und für die Tilgung von Investitionsdarlehen und die private Lebensführung verwendet werden kann.

Der Mediziner wird die für seinen Start in die Selbstständigkeit erforderlichen Investitionen in der Regel durch Kredite finanzieren. Dabei muss er die von den Kreditinstituten angesetzte Messlatte der Kapitaldienstfähigkeit kennen. Er ist ferner Arbeitgeber und muss neben grundsätzlichen arbeitsrechtlichen Fragen wissen, mit welchen Personalkosten er pro Mitarbeiter rechnen muss.

Dieser Beitrag erläutert in für einen Laien verständlichen Worten wichtige steuerliche und betriebswirtschaftliche Themen.

2.Umsatzsteuer

Beginnen wir mit der Umsatzsteuer, da diese für die Heilberufe ein sehr überschaubares Gebiet darstellt. Heilberufliche Umsätze sind grundsätzlich von der Umsatzsteuer befreit. Nicht befreit sind die Lieferung oder Wiederherstellung von Zahnprothesen und kieferorthopädischen Apparaten, soweit sie der Zahnarzt in seiner Praxis hergestellt oder wiederhergestellt hat. Umsatzsteuerpflichtig sind weiterhin die nicht medizinisch indizierten Behandlungen, insbesondere Schönheitsoperationen. Die medizinische Indikation trifft und dokumentiert der Arzt. Die Tatsache, dass bestimmte ärztliche Leistungen nicht von den Kassen bezahlt werden (IGEL-Leistungen), besagt noch nichts über die medizinische Indikation. So können beispielsweise bestimmte Bestrahlungen zur Hautkrebsvorsorge medizinisch indiziert sein, während die kosmetisch veranlasste Beseitigung von Alterspigmenten nicht umsatzsteuerbefreit ist. Umsatzsteuerpflichtig sind ferner Gutachten, z.B. für Berufsgenossenschaften oder Versicherungen zur Feststellung einer Erwerbsminderung.

Umsatzsteuer muss der Mediziner aber nur dann an das Finanzamt entrichten, wenn er mit seinen umsatzsteuerpflichtigen Umsätzen die Kleinunternehmergrenzen überschreitet. Dies sind 17.500.-- € im vergangenen Jahr und 50.000.-- € Umsatz im laufenden Jahr. Es ist aber auch ein Verzicht auf die Kleinunternehmer-Befreiung möglich. Dieser hat zur Folge, dass aus den steuerpflichtigen Leistungen Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt und aus den Eingangsleistungen (z. B. Anschaffung von teuren medizinischen Geräten) die enthaltene Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück erstattet wird.

3.Art der Gewinnermittlung

Grundsätzlich ermittelt der Arzt oder Zahnarzt seinen Gewinn durch Einnahmeüberschussrechnung. Dabei werden Betriebsausgaben im Moment der Bezahlung erfasst, Betriebseinnahmen im Zeitpunkt des Zahlungseingangs. Ausgaben für die Anschaffung von Anlagevermögen sind nicht sofort abzugsfähig, sie werden auf ihre Nutzungsdauer über mehrere Jahre abgeschrieben. Die Einnahmeüberschussrechnung ist etwas einfacher als die Bilanzierung.

Alternativ kann der Mediziner auch bilanzieren. Dadurch wird genauer als bei der Einnahmeüberschussrechnung festgestellt, welcher Gewinn in welchem Jahr erwirtschaftet wurde. Es findet eine genauere Zuordnung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben (Aufwendungen und Erträge) zu dem jeweiligen Kalenderjahr statt. Die Abgrenzung der Forderungen und Verbindlichkeiten erfolgt im Rahmen der Buchhaltung des folgenden Jahres durch den Steuerberater und stellt daher für den Mediziner keine besondere Zusatzbelastung dar. Er muss aber eine Inventur seiner Vorräte zum 31. Dezember machen.

Üben zwei oder mehrere Ärzte oder Zahnärzte ihre Praxis gemeinschaftlich in einer Personengesellschaft aus, so empfiehlt sich wegen der notwendigen Kapitalkonten und der Kontrolle der Entnahmen eine Bilanzierung. Auf den Kapitalkonten werden die Gewinne, Entnahmen und Einlagen pro Gesellschafter verzeichnet. So kann jederzeit festgestellt werden, welcher Gesellschafter seinen Gewinnanteil vollständig entnommen oder gar zuviel entnommen hat. Ohne Führen von Kapitalkonten ist es schwierig, über viele Jahre zurückzuverfolgen, ob beide Gesellschafter gleich viel entnommen haben. Insbesondere bei Auflösung einer Personengesellschaft ist eine Bilanzierung erforderlich, um korrekt abrechnen zu können. In diesem Fall ist ein Wechsel von der Einnahme-Überschussrechnung zur Bilanzierung ein ärgerlicher Zusatzaufwand. Wer die Bilanzierung nicht will, sollte darüber nachdenken, dennoch zusätzliche Kapitalkonten zu führen, insbesondere bei unterschiedlichem Entnahmeverhalten der Gesellschafter.

4.Besonderheiten beim Kauf einer Praxis oder eines Praxisanteils

Übernimmt ein Mediziner von einem aus Alters- oder Gesundheitsgründen ausscheidenden Mediziner eine Praxis, so wird er in der Regel einen Kaufpreis für die materiellen Gegenstände (Praxiseinrichtung, Vorräte) und den immateriellen Praxiswert bezahlen. Zunehmend prüft hierbei die Finanzverwaltung, ob sich die Übertragung der Vertragsarztzulassung als ein selbstständiges, immaterielles Wirtschaftsgut vom Praxiswert abspaltet. Hintergrund: Der Praxiswert wird steuerlich auf 15 Jahre linear abgeschrieben, die Vertragsarztzulassung ist nicht abnutzbar und kann daher nicht steuermindernd abgeschrieben werden.

Der Gesamtkaufpreis muss auf die einzelnen Wirtschaftsgüter aufgeteilt werden, die mit der Praxis erworben werden (insb. Möblierung, Einrichtung, medizinische Geräte, Mietereinbauten, Praxiswert). Die anteiligen Anschaffungskosten werden dann steuermindernd abgeschrieben. D. h., der bezahlte Kaufpreis wirkt sich über mehrere Jahre verteilt steuermindernd aus.

Übernimmt der Nachfolger vom Veräußerer ein Darlehen, so erhöht dies die Anschaffungskosten.

Werden Kredite zur Finanzierung des Kaufpreises aufgenommen, so sind die Kreditzinsen Betriebsausgaben. Die Tilgungsraten müssen aus dem versteuerten Gewinn bezahlt werden, sind also keine Betriebsausgaben.

Wenn aus einer Ärzte-GbR ein Gesellschafter ausscheidet und ein anderer eintritt, dann wird ebenfalls ein Kaufpreis zu zahlen sein. Auch hier ist der Kaufpreis auf die einzelnen Wirtschaftsgüter, einschließlich der immateriellen, aufzuteilen. Die hieraus resultierenden Abschreibungen werden in einer sog. Ergänzungsbilanz ermittelt.

5.Vermeidung von Betriebsvermögen bei Immobilien

Der Mediziner sollte sich sehr gut überlegen, ob er seine Praxis in einer ihm gehörenden Immobilie einrichten will. In diesem Fall wird die für seine Praxis genutzte Immobilie oder der Teil hieran zu steuerlichem Betriebsvermögen. Dies bedeutet, dass er zwar die Abschreibungen für das Gebäude als Betriebsausgaben geltend machen kann. Er muss jedoch bei Veräußerung der Immobilie oder bei Beendigung seiner ärztlichen Tätigkeit die stillen Reserven versteuern. Stille Reserven sind die Differenz zwischen dem Buchwert der Immobilie und dem Kaufpreis oder Verkehrswert bei Veräußerung oder Aufgabe. Dadurch werden zum einen die Abschreibungen nachversteuert, zum anderen muss der Mediziner auch inflationsbedingte Scheingewinne versteuern. Diese entstehen, wenn der Wert der Immobilie nicht real steigt, sondern nur wegen der Inflation. Wer versteuert schon gerne Scheingewinne?

Bei verheirateten Medizinern bietet es sich häufig an, dass der Ehegatte die Immobilie erwirbt und an den Mediziner vermietet. So bleibt die Immobilie im Privatvermögen, spätere Veräußerungs- oder Aufgabegewinne sind nicht zu versteuern.

Nebenbei bemerkt: Aufgrund langjähriger Erfahrungen rät der Verfasser allen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern zur Gütertrennung oder zur modifizierten Zugewinngemeinschaft.

6.Firmenwagen

Wird ein Pkw zu mehr als 10 % zu freiberuflichen Zwecken genutzt, so kann der Mediziner seinen Pkw dem Betriebsvermögen zuordnen. Nutzt er ihn zu mehr als 50 % beruflich, so muss er ihn dem Betriebsvermögen zuordnen. Letzteres ist allerdings in der Praxis sehr selten anzutreffen.

Im ersten Schritt muss der Mediziner den Umfang der beruflichen Nutzung feststellen. Dies kann er entweder durch ein Fahrtenbuch tun, oder durch eine sachgerechte Schätzung, die auf verlässlichen Grundlagen beruhen (sog. Schätzmethode). Dabei geht es zunächst einmal um die Frage, ob die Grenzen von 10 % und 50 % überschritten werden.

Im zweiten Schritt muss der Mediziner die gesamten Kfz-Kosten ermitteln und verbuchen. In der Regel wird er die 50 %-Marke nicht überschreiten.

Im dritten Schritt ist der berufliche Anteil der Kfz-Kosten (z.B. 20 %) als Betriebsausgaben absetzbar.

Überschreitet er die 50 %-Marke, so kann er den Privatanteil pauschal nach der sog. 1 % Regelung als Betriebsausgaben ermitteln.

Wenn er ein Fahrtenbuch führt, gilt dasselbe wie bei der zuvor beschriebenen Schätzmethode.

Ist ein Fahrzeug Privatvermögen, so können auch die rein beruflich gefahrenen Kilometer mit einem Satz von 30 Cent pro Kilometer als Betriebsausgaben angesetzt werden.

7.Personalkosten

Dass ein Arbeitnehmer den Arbeitgeber mehr als das Bruttogehalt kostet, sieht der angehende Mediziner beim Blick auf seine Gehaltsabrechnung. Von seinem Bruttogehalt werden die Steuern und die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sind in Summe fast gleich hoch wie die Arbeitnehmeranteile.

Nach einer Faustformel kostet den Arbeitgeber ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer etwa das 1,2fache des Bruttogehalts, wenn dieses die Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung nicht überschreitet. Hinzu kommen weitere Nebenkosten wie z.B. Berufsgenossenschaft und die Kosten der Gehaltsabrechnung.

Bei einem Minijob bis 400 Euro entrichtet der Arbeitgeber zusätzlich 30 % Abgaben an die Bundesknappschaft.

Bei mitarbeitenden Ehegatten oder anderen nahen Verwandten ist auf jeden Fall der Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrages zu empfehlen. Die Konditionen sollten denen zwischen fremden Personen entsprechen.

Zu nennen sind Aufmerksamkeiten, Warengutscheine, die Überlassung eines Computers, die Pauschalversteuerung von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, Betriebsveranstaltungen und bestimmte Leistungen der Altersvorsorge.

8.„Wohin geht mein Gewinn?“

Während früher bei der Kreditvergabe durch Banken die Stellung von Sicherheiten Priorität hatte, ist heute die Kapitaldienstfähigkeit der vorrangige Maßstab zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit und der Höhe des Zinssatzes. Dabei stellen die Kreditinstitute die Frage, die sich auch ein angehender Mediziner stellen sollte.

Der Mediziner fragt: „Wie viel vom erzielten Gewinn muss ich zur Tilgung von Krediten und Neuinvestitionen verwenden und wie viel bleibt mir für meine private Lebenshaltung?“

Der Bänker fragt: „Wie viel vom erzielten Gewinn wird für die private Lebenshaltung und Neuinvestitionen verwendet und bleibt genug zur Tilgung von Krediten übrig?“

Die abgewandelte Frage „Wohin fließt das Geld?“ wird auch mit dem Begriff „Cash-Flow“ umrissen. Der erzielte Gewinn ist nicht gleichbedeutend mit dem Geld, das zum Ausgeben zur Verfügung steht. Das zeigt folgendes Beispiel:

Ein Freiberufler erzielt einen Jahresgewinn von 100.000 €. Darin enthalten sind Abschreibungen von 10.000 €. Er leistet Einkommensteuervorauszahlungen von 40.000 € und hat sonstige Privatentnahmen von 40.000 €. Sein Investitionsdarlehen tilgt er mit monatlich 1.000 € (ohne Zinsen). Jetzt möchte er sich ein medizinisches Gerät für 30.000 € kaufen. Hat er genug Geld dafür zur Verfügung?

Gewinn 100.000 €
+ enthaltene Abschreibungen 10.000 €
operativer Cash-Flow 110.000 €
Darlehenstilgung - 12.000 €
Entnahmen für Einkommensteuervorauszahlungen - 40.000 €
Sonstige Privatentnahmen - 40.000 €
Verbleiben für die Investition 18.000 €

Die Mittel reichen also nicht aus, um die Investition bar zu bezahlen.

Abwandlung des Beispiels: Die Einkommensteuervorauszahlungen betragen nur 20.000 €. Der Freiberufler kauft das Gerät. Im Folgejahr kommt der Einkommensteuerbescheid, der eine Steuernachzahlung von 20.000 € ausweist. Das fehlende Geld muss er nun über einen teuren Dispositionskredit finanzieren; es wäre günstiger gewesen, er hätte das Gerät geleast oder per Investitionskredit finanziert.

Der Geldzufluss, den die Praxis verdient, ist der operative Cash-Flow. Bei Einnahme-Überschussrechnungen kann dieser Wert recht einfach durch Hinzurechnung der Abschreibungen zum Gewinn bestimmt werden.

Der Cash-Flow aus Investitionstätigkeit besteht aus Geldabflüssen für den Kauf von Gegenständen des Anlagevermögens und aus Zuflüssen durch den Verkauf solcher Gegenstände.

Der Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit setzt sich insbesondere aus Zufluss von Darlehensmitteln, Erhöhung eines negativen Saldos eines Bankkontos, Privateinlagen, Tilgung von Bankverbindlichkeiten und Privatentnahmen zusammen.

Diese drei Cash-Flows ergeben in Summe „den“ Cash-Flow. Dieser ergibt sich auch aus folgender Rechnung:

Saldo aller Bankkonten und Kassenbestände am 1. Januar

+ Cash-Flow
= Saldo aller Bankkonten und Kassenbestände am 31. Dezember

und beantwortet damit die Frage, wie viel Geld (nicht: Gewinn) hereinkommt und ausgegeben wird.

9.Schlussbemerkung

Der selbstständige Mediziner möchte sich vornehmlich auf fachliche Aufgaben und die Optimierung der Abläufe in seiner Praxis konzentrieren. Den Überblick über seine finanziellen Angelegenheiten behält er aber nur, wenn er zu Anfang und in gewissen Zeitabständen seine betrieblichen und privaten Zahlungsein- und ausgänge plant und überwacht. Dazu liefert ihm sein Steuerberater auf Basis der von ihm erstellten Buchhaltung leicht verständliche und anschauliche Hilfestellungen wie z.B. den DATEV-Controllingreport. Damit erkennt der Mediziner in wenigen Minuten seine aktuelle Lage und sich abzeichnende Entwicklungen seiner Praxis.

Für Gründungs- und Optimierungsfragen steht der Verfasser gerne zur Verfügung.

Steuerberater Klaus A. Schleweit
Götter, Schleweit & Partner
Bärenstr. 1
89522 Heidenheim
www.gsp-tax.de
Tel. 07321 / 93750

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